„Klappe auf“ dank modernster Hydraulik
Modernste Technik in der Allianz Arena: Firma HAWE Hydraulik GmbH & Co KG aus München ist unter anderem verantwortlich für die spektakuläre Konstruktion der so genannten Spielfeldklappe, die den Spielern den Weg zum Rasen öffnet.
12.01.2005
Die Stollen klacken, leise Gespräche unter den Akteuren, noch ist kaum etwas vom Ohren betäubenden Lärm aus dem „Kessel“ zu hören. Plötzlich erscheint Licht am Ende des Tunnels und der Lärmpegel steigt. Das Licht wird heller, der Lärm nimmt weiter zu undwird eindeutiger – Rufe, Klatschen und Gesänge vermischen sich. Jetzt nur noch fünfzehn Stufen erklimmen und man steht vor vollen Rängen auf dem Rasen der Allianz Arena.
Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik für die Fußballer des TSV 1860 und des FC Bayern, aber genau so werden die letzten Sekunden vor dem Betreten des „Allerheiligsten“ wohl aussehen. Die Technik, die sich hinter dem Gang durch den Spielertunnel auf den Rasen des neuen Münchner Stadions verbirgt, ist allerdings schon jetzt in ihrer einzigartigen Gestaltung zu bewundern.
Das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels, das immer heller wird, entsteht durch das automatische Öffnen einer über drei Tonnen schweren Stahlklappe, die sich in der Art eines „Sesam öffne Dich“-Prinzips öffnet. Der Zuschauer sieht, wie sich ein riesiges „Maul“ – ähnlich einer Klappe an einem Fährschiff – öffnet. Aus diesem treten dann die Spieler auf den Rasen.
Verantwortlich für die aufwändige hydraulische Technik ist die Firma HAWE Hydraulik GmbH & Co KG aus München. Sie hat die konisch (kegelförmige) angelegte Platte konzipiert und stellt die notwendige Hydraulik zum Heben und Senken des „Riesenmauls“ zur Verfügung. Die Klappe selbst besteht aus einer verzinkten Stahlkonstruktion und kann durch einen so genannten Kniehebelmechanismus mit einem Öffnungshub von 2.300 Millimetern innerhalb von 11 Sekunden geöffnet werden.
Am Spielfeld ist die Klappe 2,50 m breit und bietet eine Kopffreiheit von 2,10 m. Die Seiten sind mit Fangnetzen ausgestattet, die beim Schließen automatisch versenkt werden. Doch laut Hilarius Hundschell, dem Projektleiter der 1.400 Mitarbeiter starken Firma HAWE, die ansonsten hauptsächlich Aggregate und Ventile für Maschinen aller Art liefert, hat die Spielfeldklappe noch einiges mehr zu bieten:
Ein echtes Schmankerl ist nämlich die integrierte Notausstiegsklappe, eine Art Flügeltür, die während des Spiels offen bleibt und durch die etwaige Rotsünder oder ausgewechselte Akteure wieder zurück in die Katakomben gelangen. Extra für diesen Zweck sind drei weitere Geländer installiert worden, die sich gleichzeitig mit dem Öffnen der „kleinen“ Klappe ausfahren.
Das gesamte Klappensystem ist durch einen so genannten Totmannschalter gesteuert, der mögliche Fehler oder Unfälle durch einen sofortigen Not-Stop verhindert. Doch nicht nur dies war eine der Auflagen des TÜV Südbayern, die den Konstrukteuren in einer zweimaligen TÜV-Abnahme auferlegt wurde: Auch im Tunnelbereich gibt es Warnleuchten, die ähnlich einer Ampelschaltung, den Zu- und Abgang regeln.
Einen zusätzlichen Auftrag im Bereich Hydraulik am Bau der Allianz Arena erhielt die HAWE für eine Lösung am Dach des Stadions. Dort wurden für insgesamt neunzehn Kissen jeweils vier Aggregate als eine fertige Einheit geliefert, um diese Kissen jenach Bedarf durch einen hydraulischen Hubmechanismus öffnen und schließen zu können. Dies dient dem Entrauchen und Entwärmen des Stadions.
Geregelt über die direkte Schaltung zwischen Wetterstationen und der Gebäudeleitzentrale müssen diese neunzehn Kissen, die sich am höchsten Punkt der Arena auf 51,41 Metern Höhe befinden, bei Wind und Regen geschlossen gehalten werden, dienen ansonsten aber dem klimatischen Ausgleich im Stadion. Diese speziellen Kissen können – beispielsweise bei Schnee – eine maximale Last von acht Tonnen tragen und halten einem Windsog von 22 Tonnen stand. Bisher wurden zwölf dieser Kissen installiert.