Peter Czogalla, Vorsitzender des ersten Rollstuhlfahrerfanclubs des FC Bayern „Rollwagerl 93 e.V.“, weiß wovon er spricht, wenn er sagt: „Jemand der unsere Sorgen und Nöte bei einem Stadionbesuch nicht kennt, kann Fehler im Bau nicht vermeiden.“ Und deshalb nahm der Rollstuhlfahrer schon vor dem Bau der Allianz Arena Anschauungsunterricht bei anderen Stadion-Großprojekten und wurde, wie auch schon durch seine langjährigen Erfahrungen bei Auswärtsspielen und im heimischen Olympiastadion, größtenteils schwer enttäuscht:
Schwerste Sichtbeeinträchtigungen, Durchzug, mangelhaft ausgestattete sanitäre Einrichtungen – es gab fast keine Barriere, die es nicht gab. „Wir haben aus den Fehlern in anderen Stadien gelernt“, sagt Czogalla über das heutige Vorzeigeprojekt Allianz Arena. „Ein Nachrüsten wäre ja viel schwieriger gewesen.“ Und so wurden die Behinderten beim Neubau in München-Fröttmaning laut Ibo Harraz, dem Behinderterbeauftragten beim TSV 1860 München, bei jeder Veränderung kontaktiert, um dann bei Mängeln schnell Abhilfe zu schaffen.
Schon im Rahmen des Neujahrsempfanges des Sozialverbandes VdK Bayern im Januar dieses Jahres wurden die Verantwortlichen der Allianz Arena München Stadion GmbH erstmals für die behindertengerechte Planung und Erstellung der Allianz Arena ausgezeichnet – dafür, dass sie von Anfang an ein offenes Ohr für die Anliegen der Behinderten hatten, stets den Dialog förderten und schlussendlich veranlasst haben, die nützlichen Hinweise der Betroffenen auch umzusetzen.
Nun, dreiMonate nach der Eröffnung der Allianz Arena und um einige Erfahrungen im tatsächlichen Stadionbetrieb reicher, stellte das bayerische Sozialministerium ausführlich vor, was das neue Stadion in München-Fröttmaning behinderten Besucherinnen und Besuchern im Einzelnen zu bieten hat. Dazu war einige Prominenz und natürlich auch Vertreter der eigentlichen Initiatoren, der Behinderten selbst, in die Allianz Arena geladen, um vor Ort die Errungenschaften dieses intensiven Dialogs zu begutachten und der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Die Behindertenvertreter Ibo Harraz (TSV 1860) und Uli Hofmann vom Fanclub „Bayern München Rollwagerl 93 e.V.“ lieferten einen kleinen Rückblick auf die Planungs- und Bauzeit, lobten im Hinblick darauf die „ständige Optimierung bis in die Gegenwart“ und stellten die Highlights der Allianz Arena für behinderte Fans im Detail und im Vergleich mit anderen Stadien vor. Anita Knochner als Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung stellte die „Bedeutung der Allianz Arena für die Behindertenpolitik in Bayern heraus“.
Knochners oberste „Chefin“, Bayerns Sozialministerin Christa Stewens, lobte unterdessen den „vorbildlich errichteten Bau“ als „beispielhaft für ähnliche Projekte“ und die „Integration von behinderten Mitmenschen in die Gesellschaft“. Von Seiten der Vereine sprachen Karl Hopfner (Vorstandsmitglied des FC Bayern) und Bernd Ingerling, der Stadionmanager des TSV 1860, über ihr jeweiliges Engagement für die Belange behinderter Menschen, wie zum Beispiel den freien Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleitperson.
Abschließend war es dann Peter Kerspe als Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion GmbH überlassen, sich ausdrücklich für die große Leistung und unheimliche Eigeninitiative der gehandicapten Fans selbst und deren hervorragende Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Stadionbetreibers zu bedanken. Ohne Sie und ohne die große Kooperationsbereitschaft der Vereine wäre ein solches Schmuckstück für behinderte Zuschauer nicht möglich gewesen.
Einige Statements der Gäste:
Anita Knochner (Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung): „Mit dem Stadion wurde ein Zeichen für die Integration behinderter Menschen in unsere Gesellschaft gesetzt. Besonders gefreut hat mich, dass behinderte Menschen von Beginn an in die Planung des Stadions einbezogen wurden. Teure Nachbesserungsmaßnahmen wurden dadurch von vornherein vermieden.
Das Stadion ist beispielgebend und hat Vorbildfunktion für Bauvorhaben in der Zukunft. Ich hoffe sehr, dass die barrierefreie Gestaltung des Stadions Schule macht und barrierefreies Bauen generell konsequenter als bisher in die Tat umgesetzt wird.
Die Verantwortlichen können mit Recht darauf stolz sein, dass Sie durch Ihr vorbildhaftes Denken und Handeln mit dazu beitragen, behinderte Menschen ein Stück weit mehr in unsere sportbegeisterte Gesellschaft zu integrieren.“
Christa Stewens (Bayerische Sozialministerin): „Die Allianz Arena steht nicht nur für eine beeindruckende moderne Stadionarchitektur, sondern sie zeigt vielmehr auch, wie Barrierefreiheit beispielhaft in die Praxis umgesetzt werden kann. Barrierefreiheit ist für Menschen mit einer Behinderung die entscheidende Voraussetzung zur echten Teilhabe an der Gesellschaft.“
„Mit der Allianz Arena wurden hier in München Maßstäbe gesetzt für barrierefreie Sportstätten nicht nur in Deutschland und Europa. Die Allianz Arena kann mit Fug und Recht als das derzeit behindertenfreundlichste Stadion der Welt bezeichnet werden. Was sich hier vollzogen hat, von der gemeinschaftlichen Bauplanung, bei der Menschen mit Behinderung am runden Tisch beteiligt waren, bis zum immer noch stattfindenden regelmäßigen „Monitoring“ – das hat echten Vorbildcharakter.
Für diese vorbildliche Gemeinschaftsleistung möchte ich allen Beteiligten ganz herzlich danken – den Verantwortlichen beim Bau ebenso wie den Vereinen und insbesondere deren Behindertenbeauftragten Herrn Hoffmann und Herr Harraz. Die Allianz Arena ist ein gelungenes Beispiel für den dringend nötigen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft – von der Fürsorge zu einer aktiven Teilhabe der Menschen mit Behinderung.“