News-Archiv
Umweltschutzmaßnahmen in der Allianz Arena

Innovatives Konzept für das modernste Stadion der Welt

Die Allianz Arena setzt neue Maßstäbe hinsichtlich Zuschauerfreundlichkeit unter Berücksichtigung ökologischer Belange. Der Zuschauer steht hier im Mittelpunkt, ohne dass die Umwelt darunter leiden müsste.
11.05.2005
Aus diesen Gründen hat sich die Arena One GmbH - der Gastronomie-Dienstleister in der Allianz Arena - dafür entschieden, neu entwickelte völlig recycelbare Becher an den Kiosken in der Allianz Arena zu verwenden. Diese Recyclingbecher aus so genanntem Belland-Material verbinden die Vorteile von Mehrwegbechern mit den Vorteilen von Einwegbechern und tragen dabei zu einer nachhaltigen Einsparung von Rohöl und Veredelungsenergie bei. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese recycelbaren Belland-Becher den Mehrwegbechern auch bei der Energiebilanz überlegen sind.

Die bisherigen Erfahrungen mit herkömmlichen „Mehrwegbechern“ zeigen lediglich eine Umlaufhäufigkeit von sieben bis neun Wiederverwendungen. Danach müssen herkömmliche Mehrwegbecher durch neu herzustellende Becher ersetzt werden, was einen erheblichen Mehrverbrauch an kostbaren Rohstoffen und zusätzlicher Energie bedeutet. Hinzu kommt ein Schwund von 6 %, was Erfahrungswerte aus dem Olympiastadion belegen.

Zur Herstellung eines klassischen Mehrwegbechers wird rund sieben Mal mehr Erdöl/Veredlungsenergie benötigt als zur erstmaligen Herstellung eines Recyclingbechers aus Belland-Material. Das eingesetzte Rohöl und die Veredelungsenergie bei Recyclingbechern aus Belland-Material geht nicht wie bei der Wiederverwertung herkömmlichen Kunststoffes verloren, sondern wird in einem nachhaltigen Materialkreislauf auf derselben Wertschöpfungsstufe wieder eingesetzt.

In dieser ganz neuen Dimension bei der Wiederverwertung von gebrauchten Kunststoffabfällen wird also ein Becher auch wieder zum Becher und nicht zu einer Parkbank oder einer Lärmschutzwand. Der Becher, den Belland gemeinsam mit dem Frauenhofer Institut in Freising entwickelt hat, wird dabei durch Zugabe einer schwachen Lauge in seine einzelnen Polymerketten aufgelöst. In dieser Eigenschaft lässt sich das Belland-Material nicht nur 100%-ig sortenrein, sondern auch molekular gereinigt herauslösen und zurückgewinnen.

Dies sind die entscheidenden Bedingungen dafür, dass die Recyclingbecher immer wieder sowohl ökologisch wie auch ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden können. Die bisherige Erfahrung für einen nachhaltigen Materialkreislauf von den Recyclingbechern aus Belland-Material bei Großveranstaltungen zeigt eine Rücklauf-Quote von mehr als 95 Prozent. Die Arena One GmbH arbeitet dafür aufs Engste verzahnt mit einem regionalen Münchner Entsorger zusammen.

In der Allianz Arena (hier befinden sich 28 Kioske) werden eigene Abfallbehälter eigens für die Recyclingbecher aufgestellt (durch Signaletik erkennbar). Mindestens zehn Mitarbeiter werden vor, während und nach dem Spiel die Recyclingbecher zusätzlich einsammeln. Im Sitzplatzbereich wird der Recyclingbecher getrennt von den üblichen anfallenden Abfallstoffen in separate Müllsäcke gesammelt - ebenso wie vor und nach dem Spiel auf den Außenbereichflächen wie der Esplanade und den Parkplätzen.

An den Kiosken werden die Besucher mit Informationsblättern und Plakaten gesondert auf die Besonderheiten der Recyclingbecher hingewiesen. Und es gibt noch weitere gute Gründe für die Einführung der neuen Recyclingbecher: Durch das bargeldlose Zahlungssystem in der Allianz Arena müsste sich der anfangs ohnehin unsichere Gast erneut an den Kassen im Außenbereich anstellen, um sich sein Pfandguthaben nach Rückgabe des Bechers am Kiosk auszahlen zu lassen. Dies soll den Zuschauern nicht zugemutet werden.

Weil die Besucher noch kaum mit der neuen Arena vertraut sind ist ein Pfandsystem organisatorisch nicht umsetzbar und der Ärger über ein solches System wegen der zu erwartenden Warteschlangen vorprogrammiert. Zudem werden erfahrungsgemäß herkömmliche Hartplastikbecher in der häufig aufgewühlten Atmosphäre eines Fußballstadions gelegentlich als Wurfgeschosse missbraucht.

Durch die Beschaffenheit der verhältnismäßig schweren und hartkantigen Becher können dabei erhebliche Körperverletzungen entstehen. Durch die gewollte und realisierte neue Nähe des Fans zum Spielfeld bei der neuen Allianz Arena ist diese Gefahr im Vergleich zum Beispiel zum Olympiastadion deutlich höher. Mit den leichten und flexiblen Recyclingbechern wird dieses Gefährdungspotential von vorneherein ausgeschlossen.

Alles in allem also ein gelungenes Konzept und so ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses neue innovative Recyclingsystem vom Bayerischen Umweltministerium mit der „bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um Umwelt und Gesundheit“ ausgezeichnet wurde. Doch das ist noch lange nicht alles, was die Allianz Arena München Stadion GmbH in Sachen Umweltschutz initiiert hat, denn bereits beim Stadionbau wurden diese Belange berücksichtigt:

    Die Maßnahmen im Einzelnen:

    Wasser:
  • vollständiger Verzicht auf Tiefbauwerke (keine Unterkellerung und damit geringst mögliche Beeinflussung der Grundwasserströme).
  • Versickerung des gesamten anfallenden Regenwassers.
  • Ausbau aller überirdischen Parkplätze (45.000 qm) als wasserdurchlässig

    Energie:
  • Vernetzung des Stadions mit zwei Stromversorgungsnetzen und dadurch Verzicht auf den Betrieb eines Notstromaggregats mittels Diesel (müsste sonst bei Veranstaltungen „laufen“).
  • wo immer bautechnisch möglich, Einbau von Energiesparlampen.
  • Energieoptimierung durch Vermeidung von Lastspitzen durch Lastabwurf

    Hochbau:
  • vollständiger Verzicht auf Tropenhölzer.
  • fast ausschließlich Verwendung von textilen Materialien.

    Abfallkonzept:
  • als Teil der Baugenehmigung vorgelegtes modernes Abfallwirtschaftskonzept (s.o.)

Zusätzlich werden die laufenden sowie die noch im Zusammenhang mit der Initiative „Green Goal“ umzusetzenden Umweltschutzaktivitäten bis zur WM 06 in einem Umweltmanagementsystem nach EMAS (Environmental Management and Audit Scheme) zusammengeführt. Damit wären in Bayern beide WM-Arenen (derzeit als einzige in Deutschland; Stuttgart und Berlin sind noch in der Entscheidungsphase) nach einem EMAS-System validiert.
drucken   > zurück